Wie bewertet man die technische Nachhaltigkeit von Low-Code/No-Code-Plattformen im Hinblick auf Vendor Lock-in und Wartbarkeit?
Die Bewertung der technischen Nachhaltigkeit von Low-Code/No-Code (LCNC) Plattformen erfolgt über die Analyse der Portabilität, der API-Strategie und der Integration in bestehende DevOps-Prozesse. Wir unterscheiden dabei zwischen der funktionalen Abhängigkeit und der infrastrukturellen Bindung.
Zur systematischen Bewertung nutzen wir folgende Kriterien:
| Kriterium | Vendor Lock-in Risiko | Wartbarkeit / Nachhaltigkeit |
|---|---|---|
| Code-Export | Hoch, wenn nur proprietäre Formate existieren. | Hoch, wenn Standard-Code (z.B. Java, C#) exportierbar ist. |
| Datenhoheit | Hoch bei geschlossenen Datenbank-Schemata. | Hoch bei direktem SQL-Zugriff oder Standard-APIs. |
| Versionierung | Hoch bei rein plattforminternem Versioning. | Hoch bei Git-Integration und Branching-Strategien. |
| API-Zugang | Hoch bei fehlenden REST/GraphQL-Schnittstellen. | Hoch bei API-First-Ansätzen für Drittsysteme. |
Ein kritischer Punkt ist die sogenannte "Black-Box-Logik". Wenn Geschäftslogik ausschließlich in visuellen Editoren gekapselt bleibt, sinkt die Wartbarkeit, da automatisierte Tests und Code-Reviews entfallen. Wir prüfen daher, ob die Plattform Low-Code als Startpunkt nutzt, aber Pro-Code für komplexe Logik erlaubt. Die Einbettung in eine moderne Cloud & Digital Workplace Strategie erfordert, dass LCNC-Tools nicht als isolierte Silos, sondern als Teil einer integrierten Toolchain agieren.
Die Wartbarkeit korreliert direkt mit der Dokumentationsqualität und der Transparenz der Plattform. Proprietäre Metadaten-Modelle erschweren den Wissenstransfer bei Personalwechseln und erhöhen die Abhängigkeit vom Plattform-Support. Wir bewerten die Nachhaltigkeit anhand der Exit-Strategie: Wie hoch ist der Aufwand, die Logik und die Daten auf ein anderes System zu migrieren?
Ein nachhaltiges Setup zeichnet sich dadurch aus, dass die Plattform als Beschleuniger dient, ohne die Kontrolle über die Architektur zu verlieren. Dies bedeutet, dass die Orchestrierung der Dienste unabhängig von der spezifischen LCNC-Implementierung erfolgen muss.
Wir empfehlen, LCNC-Plattformen ausschließlich dann einzusetzen, wenn sie einen vollständigen Export der Geschäftslogik in Standard-Code ermöglichen oder eine strikte API-First-Architektur bieten; andernfalls überwiegt das Risiko der technischen Sackgasse den kurzfristigen Geschwindigkeitsvorteil.
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